Vor einigen Jahren habe ich meine Sportfischer Prüfung in Wiesbaden abgelegt. Ich wollte unbedingt auch mal an offenen Gewässern und nicht nur an Forellenteichen angeln. Wenn ich richtig überlege war ich danach noch 4-5 mal am Rhein um einige teure Gummifische, Wobbler und Blinker zu versenken. Die Steinpackungen am Ufer haben so manchen meiner Kunstköder gefressen.  Als nun mein Neffe fragte ob wir nicht mal zusammen fischen gehen können, habe ich direkt zugestimmt. Beim Anblick meiner Ausrüstung im Keller wurde mir erst bewusst auf was ich mich da eingelassen hatte.  Das gesamte Equipment ist nicht mehr wirklich auf dem Stand der Zeit. Die Angelschnur auf den Rollen wäre bereits unter der Last des Köders gerissen. Brauchbare Schwimmer waren kaum noch zu finden, dafür aber jede Menge Ruten. Wofür habe ich die eigentlich alle mal gekauft? Also schnell eine Einkaufsliste machen und bis Freitag zum Angelladen. Wo ist eigentlich …der nächste Angelladen? Da hat doch ein etwas größerer im Nachbarort aufgemacht, Riverfishing oder so. Scheinbar gab es trotz Angelverein nicht genügend Petrijünger in Niedernhausen. Nach kurzer Zeit, ich glaub das war noch nicht mal ein Jahr, hat er wieder geschlossen. In ganz Wiesbaden und Umgebung gibt es leider nicht mehr viele Angelgeschäfte. Ich kenne nur noch Jürgens Angelcenter in Wiesbaden-Biebrich. Als ich in der Mittagspause dort eintraf, musste ich feststellen dass dieser nur noch Nachmittags zwischen 13:00 und 18:00 Uhr geöffnet hat. Rheinscheine für die hessische Seite bekommt man mittlerweile nur noch in Rüdesheim oder im Raum Groß Gerau. Auch in diesem Bereich hat der Internethandel gnadenlos zugeschlagen. Schade!

 

Mit neuem Material Zuhause angekommen, habe ich die Angeln fertiggemacht. Danach schnell noch zu YouTube und nachsehen was sich im Bereich der Fangtechniken geändert hat. Sbirolino war vor ein paar Jahren angesagt. Heute ist es Tremerella. Klar, auch hierfür braucht man wieder spezielle Schwimmer, Blei-Federketten und natürlich neue hochelastische, feinfühlige Ruten. An Angelteichen ist diese Technik derzeit der Renner.  Nach dem Auswerfen bewegt man die Rutenspitze aus dem Handgelenk in schnellen Auf- und Ab Bewegungen und holt gleichzeitig langsam Schnur ein. Die Rutenspitze soll regelrecht kräftig zittern. Als Köder werden in erster Linie Bienenmaden verwendet. In Vergleichstest mit Teig und stillstehenden Posen gewinnt diese Angeltechnik mit weitem Vorsprung. Betreiber von Forellenteichanlagen sehen die Zitterei, wohl aufgrund der Fängigkeit, nicht sehr gerne in ihren Anlagen.

 

Da wir das Angeln mit anschließendem Grillen oder Räuchern verbinden wollten, mussten wir sicherstellen dass wir auch Fisch fangen, bzw. mitbringen ;). Somit fiel die Entscheidung auf eine Forellenteichanlage, im Volksmund auch „Forellenpuff“ genannt. In Usingen-Wernborn angekommen haben wir den Kiloteich gewählt. Für die Nichtangler unter den Lesern: Man kann entweder mit einer Tageskarte für EUR 25,– am Standardteich oder ohne Startgeld am Kiloteich angeln. Bei der Tageskarte bekommt der Angler den gesamten Fang für EUR 25,–.  Am Kiloteich zahlt man für 1kg nicht ausgenommene Forelle EUR 9,–. Dafür hat man die Sicherheit nicht ohne Fisch nach Hause zufahren. An Tagesteichen ist mir das schon häufiger passiert. Ob es die Anzahl der Forellen oder mäßiges Futter ist kann ich nicht sagen, ca. 20 Sekunden nach dem Auftreffen des Hakens auf der Wasseroberfläche verschwand der Schwimmer in atemberaubender Geschwindigkeit unter Wasser. Ca. 60 Sekunden später hatte mein Neffe die erste Forelle im Kescher. Merke: Am Kiloteich muss man sich keine Gedanken um Montagen, Köder oder Wurfgewichte machen, es genügt wenn eine Bienenmade am Haken hängt; die muss noch nicht einmal zappeln.

 

Nach gut 90 Minuten und zwei heftigen Regenschauern hatten wir die bestellten zwölf Forellen gefangen.  Nach weiteren 15 Minuten waren die Fische gewogen, bezahlt und ausgenommen. Jetzt nichts wie nach Hause, die Klamotten trocknen und den Räucherofen klarmachen. Wir nutzten zwei kleine Öfen mit Spiritusbrennern und gewürztes Räuchermehl aus dem Angelfachgeschäft. Die Fische wurden nochmal kontrolliert, gewaschen und getrocknet. Danach mit etwas Salz und Pfeffer würzen. Nach kurzen Anlaufschwierigkeiten benötigten die ersten acht Exemplare gut 30 Minuten für eine intensive goldbraune Färbung. Unsere Frauen hatten in der Zwischenzeit Tomaten-Rucola Salat mit Champignons und Schinkenwürfeln, sowie feinen Kartoffelsalat zubereitet. Zwei Kräuter Baguettes und ein feiner Chardonnay komplettierten das Menü.

Es war wieder einmal sagenhaft lecker!